Frauenfußball im Wandel

Die Fussballerin und stellvertretende Kapitänin der 1.Damenmannschaft des Landesligisten SVSB Elisa Michaelis kämpft um den Ball  Die Fussballerin und stellvertretende Kapitänin der 1.Damenmannschaft des Landesligisten SVSB Elisa Michaelis kämpft um den Ball www.blickpunkt-nienburg.de

Spurensuche beim Landesligisten SV Sebbenhausen/Balge
(www.blickpunkt-nienburg.de) „Als ich angefangen habe Fußball zu spielen, musste ich mir den Respekt der Jungs hart erkämpfen“, sagt Elisa Michaelis rückblickend. Bereits als kleines Mädchen begleitete sie ihren Vater, der als Fußballtrainer im Verein arbeitete, zu Trainingseinheiten und Spielen. „Als ich 1999 als Siebenjährige angefangen habe, spielten nur zwei weitere Mädchen Fußball. Wir mussten also mit den Jungs kicken. Mittlerweile spielen rund 100 Mädchen und Damen in unserem Heimatverein“, so die stellvertretende Kapitänin. Die 1. Damenmannschaft des SV Sebbenhausen/Balge besteht seit 2006 und zog im Sommer in das Pokalfinale der Landesliga ein.

Nach einem spannenden Duell musste sich die Mannschaft jedoch gegen den HSC Hannover vor 700 Fans zu Hause geschlagen geben. In Niedersachsen sind laut des Deutschen Fußball Bundes (DFB) momentan 71494 Damen aktiv im Spielbetrieb eingebunden.In vielen Bereichen des Lebens konnten sich Frauen emanzipieren und ihre Freiheiten erkämpfen, beim Frauenfußball gibt es jedoch auch heute immer noch Vorbehalte und Spott. Besonders im Internet in sozialen Netzwerken wie Facebook wird der Frauensport verhöhnt. Seiten mit Namen wie„Frauenfußball ist wie Pferderennen nur mit Eseln“ werden für jeden sichtbar gemacht und wurden bereits von mehr als 1200 Personen geliked. Unreflektierte Pauschalkritik wie: alle Spielerinnen seien unattraktiv, langsam, lesbisch und Memmen, kennen auch die Damen vom SV Sebbenhausen/Balge. „Solche Äußerungen sind einfach kindisch und albern. Ich versuche so etwas zu ignorieren“.Der in diesem Zusammenhang gezogene Vergleich zwischen Damen- und Herrenfußball kann laut Michaelis nicht hergestellt werden: „Das sind zwei Paar verschiedene Schuhe. Frauenfußball ist weniger körperbetont. Die Spielart ist ebenfalls eine ganz andere. Dazu kommt noch die unterschiedliche Athletik. Anders als beim Herrenfußball ist Homosexualität kein Tabuthema. Wir akzeptieren gleichgeschlechtliche Beziehungen und gehen offen damit um.“Dass der Damenfußball eine fast genauso lange Tradition besitzt wie die der Männer, wird oft vergessen. Bereits im 12. Jahrhundert spielten französische Bäuerinnen mit einem Schleifchen besetzten Lederball „la soule“, ein fußballähnliches Spiel. Geschlechter- oder Anstandsfragen stellten sich zu dieser
Zeit noch nicht. Mitte des 20. Jahrhunderts veränderte sich jedoch die gesellschaftliche Wahrnehmung hinsichtlich des Ballsports und der Rolle der Frau. „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut. Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Sittlichkeit und Anstand.“ Mit dieser Aussage begründete der DFB 1955 das damals eingeführte Verbot, welches den Frauen untersagte, ihrer Leidenschaft zum Fußballspiel nachzugehen. Frauenteams mussten sich auflösen. Sie wurden bespuckt, verspottet und geschlagen. Trainings- und Spielplätze wurden nicht mehr zur Verfügung gestellt. Ein Sport, der für die nächsten 15 Jahre im Verborgenen, auf Wiesen oder Hinterhöfen ausgelebt werden musste. Erst Ende Oktober 1970
wurde dieses Verbot in Deutschland widerrufen und der Siegeszug des Damenfußballs nahm seinen offiziellen Anfang. So holte die Deutsche Damenfußballnationalmannschaft bis jetzt acht Europameistertitel, gewann zwei Weltmeisterschaften (2003 und 2007) sowie drei Bronzemedaillen bei den Olympischen Spielen. Neben denen der USA gehören Deutschlands Fußballnationalspielerinnen zu den erfolgreichsten der Welt. Letztendlich haben also die Esel die Rennpferde überholt. „Als die Damen 2003 die Weltmeisterschaft gewannen, wurde der Sport auf einmal bei total vielen Mädels beliebt und unser Verein bekam dadurch viele neue weibliche Mitglieder“, erinnert sich Elisa Michaelis. Laut des DFB sollen 2013 deutschlandweit 746406 Frauen aktiv Fußball spielen. Für die meisten von ihnen bleibt es jedoch ein Hobby, denn nur 25 im Spitzenbereich spielende Damen können von ihren Einkünften als Fußballprofi leben, bei den Männern sind es immerhin 1400 Spieler in den drei Bundesligen. „Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass mehr Frauen von ihren sportlichen Leistungen leben können und dass die Medien dem Damenfußball genauso viel Aufmerksamkeit schenken, wie es bei den Herren bereits selbstverständlich ist“, sagt die Fußballerin abschließend.

Letzte Änderung am Sonntag, 29 Dezember 2013 08:11

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